Bambuddy: Bambu-Lab-Drucker ohne Cloud betreiben

Screenshot Bambuddy-Webseite

Wer einen 3D-Drucker von Bambu Lab besitzt, kennt das Konstrukt: Die Geräte sind technisch gut durchdacht und die Einrichtung geht schnell. Aber die eigentliche Steuerung läuft über Bambulabs Cloud-Infrastruktur, und wer LAN-only drucken will, kämpft mit Einschränkungen, die der Hersteller zwar adressiert, aber nie wirklich gelöst hat (weil sie von der Cloud-Abhängigkeit profitieren). Es gibt einen LAN-Modus für die Drucker, der ist allerdings funktionseingeschränkt. Seit Ende 2025 existiert eine Alternative aus der Open-Source-Welt: Bambuddy, eine selbstgehostete Serverlösung, die den Drucker vollständig lokal steuerbar macht.

Das Projekt lässt sich auf einem lokalen Linux-Rechner (auch Raspberry Pi 4 oder 5), NAS oder Mac installieren, wahlweise per Docker, als native Python-Anwendung, manuell per git clone oder via Installscript. Unterstützt werden gängige Linux-Distributionen sowie macOS. Die Kommunikation mit dem Drucker läuft über MQTT und FTPS, also über die Protokolle, die der Drucker ohnehin nutzt, nur eben ohne Umweg über Bambulabs Server. Die Software ist unter der AGPL-3.0-Lizenz frei verfügbar, der Quellcode liegt auf GitHub.

Funktionsumfang

Das Funktionsspektrum ist für ein noch junges Projekt bemerkenswert umfangreich. Kern der Anwendung ist die Druckverwaltung: Alle 3MF-Dateien werden automatisch archiviert, inklusive Metadaten, Druckeinstellungen und Zeitraffer-Videos. Aus dem Archiv heraus kann jeder Job neu gestartet werden, mit vollständiger AMS-Materialbelegung und Auswahl der Platte bei mehrteiligen Dateien. Ein in Three.js umgesetzter GCode-Viewer ermöglicht die 3D-Vorschau direkt im Browser.

Wer mehrere Drucker betreibt, bekommt ein gemeinsames Dashboard mit Echtzeit-Statusanzeigen über WebSocket, ein Queuing-System mit Drag-and-Drop-Reihenfolge und Zeitplanung, und Lastverteilung über mehrere Geräte desselben Modells. Der Feuchtigkeits- und Temperaturstatus der AMS-Einheiten wird live angezeigt, und automatische Trocknungssitzungen lassen sich für hygroskopische Filamente einrichten.

Benachrichtigungen lassen sich über WhatsApp, Telegram, Discord, E-Mail, Pushover, ntfy oder Home Assistant konfigurieren, jeweils mit anpassbaren Templates und optionalem Kamerasnapshot beim Druckende. Die Kamerastreams bleiben dabei vollständig im lokalen Netz, kein Bild verlässt das eigene Netzwerk in Richtung Cloud.

Seit Version 0.1.7 ist ein Virtual Printer Proxy Mode verfügbar, der auch den Fernzugriff von außerhalb ohne Port-Forwarding ermöglicht. Bambuddy meldet sich dabei gegenüber Bambu Studio oder OrcaSlicer als Drucker an, nimmt den Job entgegen und leitet ihn über den eigenen Server an den physischen Drucker weiter. Mit optionaler Tailscale-Integration kommt zusätzlich eine verschlüsselte WireGuard-Verbindung dazu, ohne dass der Drucker selbst im Internet erreichbar sein muss.

Mehr als ein Hobby-Projekt

Bambu-Lab-Drucker haben sich in den letzten Jahren in Maker-Spaces, kleinen Produktionsbetrieben und bei Privatanwendern gleichermaßen verbreitet, und mit dieser Verbreitung ist auch die Frage nach der Cloud-Abhängigkeit relevanter geworden. Was passiert mit den Druckjobs und den archivierten Dateien, wenn Bambu Lab Teile seines Dienstangebots ändert, Preismodelle für Cloud-Funktionen einführt oder schlicht einen Serverausfall hat? Bei einem selbstgehosteten System stellen sich diese Fragen nicht.

Bambuddy schließt außerdem eine echte Lücke in der Bedienbarkeit: Die originale Bambu Handy App und Bambu Studio bieten kein Archiv mit Suchfunktion, keine Druckhistorie nach Materialverbrauch gefiltert, keine projektbezogene Bündelung zusammengehöriger Jobs, kein Spool-Inventory-Tracking und keine Benachrichtigungen über Dienste wie Telegram oder ntfy. Das alles bietet Bambuddy, und wer einen Server betreibt, auf dem schon andere Docker-Container laufen, hat die Lösung in wenigen Minuten aufgesetzt.

Auf GitHub hat das Projekt inzwischen über 800 Sterne gesammelt, und es gibt eine aktive Community, die eigene Add-ons beisteuert und Erweiterungen dokumentiert. Für ein Projekt, das eine so spezifische Nische bedient, ist das ein klares Zeichen, dass der Bedarf real ist.

Wer einen Bambu-Lab-Drucker betreibt und gleichzeitig einen Heimserver oder ein NAS laufen hat, sollte sich Bambuddy genauer ansehen.

Wer keinen 3D-Drucker besitzt kann sich unsere 3D-Druck-Dienstleistung genauer ansehen.


Quellen:

2 Kommentare zu „Bambuddy: Bambu-Lab-Drucker ohne Cloud betreiben“

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