
Am 13. Juli 2026 läuft ein digitales Zertifikat ab, mit dem Microsoft die Lizenzen seiner Office-Programme auf macOS und iOS prüft. Die Folge ist konkret: Ältere Office-Versionen schalten automatisch in einen eingeschränkten Modus. Dokumente lassen sich danach noch öffnen, ansehen und drucken, aber Bearbeiten, Speichern und neu Erstellen ist nicht mehr möglich. Besonders hart trifft das die Nutzer von Office 2019 für den Mac, denn für diese Version wird es kein aktualisiertes Zertifikat geben.
Was Microsoft verkauft hatte
Office 2019 war kein Abonnement. Wer damals mehrere hundert Euro auf den Tisch gelegt hat, kaufte eine unbefristete Lizenz, also das Recht, die Software dauerhaft zu nutzen. Genau das steht jetzt zur Disposition.
Technisch gesehen läuft Office 2019 weiterhin auf den betroffenen Macs. Es startet, es öffnet Dateien. Der Funktionsverlust am 13. Juli entsteht nicht durch eine inkompatible neue macOS-Version oder durch defekte Hardware, sondern allein dadurch, dass Microsoft das Lizenzzertifikat auslaufen lässt und für Office 2019 keines mehr ausstellt. Aus einem vollwertigen Büropaket, das man rechtmäßig erworben hat, wird damit faktisch ein Leseprogramm.
Microsoft selbst betont, es handle sich nicht um ein Sicherheitsproblem. Das Zertifikat diene ausschließlich der Lizenzprüfung, Kundendaten seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Das mag stimmen, es ändert aber nichts daran, dass Käufer einer Dauerlizenz nach dem Stichtag weniger bekommen als das, wofür sie bezahlt haben.
Office 2021 ist vorerst noch nicht betroffen
Zwischen den beiden Kaufversionen macht Microsoft einen Unterschied. Office 2021 für Mac erhält noch Support und bekommt weiterhin Updates, darunter auch das neue Zertifikat. Wer Office 2021 aktuell hält, kann das Paket also auch nach dem 13. Juli uneingeschränkt nutzen. Allerdings endet der Support für Office 2021 für Mac am 13. Oktober 2026, also nur drei Monate später. Was danach kommt, liegt auf der Hand.
Der Support für Office 2019 für Mac war bereits im Oktober 2023 ausgelaufen.
Ältere Hardware trifft es doppelt
Für die erforderlichen Office-Updates wird mindestens macOS 12 (Monterey) vorausgesetzt. Wer einen älteren Mac nutzt, der kein Upgrade auf Monterey mehr erhält, kann die geforderten Office-Versionen schlicht nicht installieren. Microsoft empfiehlt in diesem Fall: Betriebssystem aktualisieren, neue Hardware kaufen oder auf Microsoft 365 im Browser ausweichen. Für Nutzer, die eine funktionierende Maschine mit funktionierender, bezahlter Software betreiben, ist das keine Lösung, sondern meiner Meinung nach eine Zumutung.
Was das über Microsofts Lizenzpolitik aussagt
Das hier ist kein Einzelfall. Microsoft hat bereits am 1. Mai 2026 die 30-tägige Toleranzfrist bei der Lizenzverlängerung für Geschäftskunden gestrichen. Wer bei der Verlängerung einen Tag zu spät ist, landet sofort im Read-Only-Modus. Der Trend ist eindeutig: Microsoft verschiebt die Kontrolle über die eigene Software Schritt für Schritt weg vom Käufer hin zu sich selbst, indem Bearbeitungsfunktionen zunehmend an aktive, in Echtzeit geprüfte Zertifikate und Abonnements gebunden werden.
Wer das Abo-Modell Microsoft 365 nicht will, weil er etwa den aufgezwungenen KI-Assistenten Copilot ablehnt oder schlicht keine monatlichen Folgekosten für ein einmal bezahltes Produkt akzeptieren möchte, wird zunehmend unter Druck gesetzt.
Und was sagt das Verbraucherrecht?
Verbraucherschützer könnten Microsoft geplante Obsoleszenz vorwerfen. Der Funktionsverlust ist nämlich eine geschäftliche Entscheidung, kein technischer Zwang. Aus verbraucherrechtlicher Sicht ist Microsofts Vorgehen durchaus angreifbar. Microsoft sicherte im Oktober 2023 noch ausdrücklich zu, die Office-2019-Apps würden auch nach Support-Ende weiter funktionieren. Diese Passage wurde im Mai 2026 stillschweigend aus der Dokumentation entfernt. Hinzu kommt ein EuGH-Urteil aus dem Jahr 2021 (Rechtssache C-13/20), das in diesem Kontext relevant sein könnte: Der Gerichtshof entschied, dass der rechtmäßige Erwerber einer Software berechtigt ist, diese zu dekompilieren, um Fehler zu korrigieren, die ihr Funktionieren beeinträchtigen. Ob und wie weit sich daraus ein durchsetzbares Recht ableiten lässt, Microsoft zur Verlängerung des Lizenzzertifikats zu zwingen oder die Funktionseinschränkung selbst zu beheben, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Das Urteil zeigt aber, dass das EU-Recht dem Softwarehersteller keine unbegrenzte Kontrolle über rechtmäßig erworbene Software zugesteht. (Quelle: EuGH, Urt. v. 06.10.2021, C-13/20, Volltext auf curia.europa.eu) Dazu gilt: §§ 307, 305c BGB: EULA-Klauseln, die nachträglich den Funktionsumfang einschränken, können als unzulässige allgemeine Geschäftsbedingungen unwirksam sein, unabhängig vom Kaufzeitpunkt.
LibreOffice als saubere Alternative
Wer jetzt wechseln möchte oder muss, kommt an LibreOffice kaum vorbei. Die freie Office-Suite der Document Foundation läuft auf macOS 11 (Big Sur) und neuer, unterstützt die gängigen Microsoft-Office-Formate (DOCX, XLSX, PPTX) und benötigt keine Online-Lizenzprüfung, kein Zertifikat, kein Abonnement. LibreOffice ist kostenlos, quelloffen und wird aktiv weiterentwickelt. Als Alternativen stehen zudem NextCloud-Office-Lösungen wie Collabora zur Verfügung.
Für die überwiegende Mehrheit der Anwender, die Briefe schreiben, Tabellen pflegen und Präsentationen erstellen, ist LibreOffice vollständig geeignet. Wer komplexe Excel-Makros oder spezialisierte Word-Vorlagen mit proprietären Steuerelementen einsetzt, sollte die Kompatibilität im Einzelfall testen, aber für den Alltag im Büro oder Homeoffice gibt es keinen sachlichen Grund mehr, an Microsoft festzuhalten.
Übrigens kann man auf älteren Macs meist völlig problemlos Linux installieren, beispielsweise Zorin OS oder Mint und hat wieder vollumfänglich funktionierende Rechner ohne Softwareeinschränkungen durch Apple oder Microsoft; ich habe hier beispielsweise ein MacBook Pro von 2015, bei dem Apple mich keine Software mehr installieren lassen wollte: auf dem läuft problemlos Zorin. Denn auch Apple lässt Benutzer°Innen keine Software mehr aus dem Appstore auf älteren Macs installieren, obwohl die Rechner für die meisten Aufgaben noch völlig ausreichend sind. Auch diese geplante Obsoleszenz lässt sich mit Linux umgehen.
